1985 fing es an.

Fünf Frauen hatten gerade ihr Studium an der damaligen Pädagogischen Hochschule in Lörrach beendet, ein Studium vorwiegend im musisch-künstlerischen Bereich, wo sie viel Erfahrung gesammelt hatten im gemeinsamen künstlerischen Schaffen: Der Chor der Pädagogischen Hochschule, das Theaterkollektiv und schließlich die eigene Musikkabarettgruppe „The Sunshine Doreen Starlets“.  So entstand der Wunsch, einen Ort in Lörrach zu schaffen, an dem künstlerisches Potential der Region gefördert und kulturelle Aktivität in vielen unterschiedlichen Varianten stattfinden kann. Im Zentrum standen dabei

  • die Erarbeitung künstlerischer Produktionen (Theater, Tanz, Musik),
  • Auf- und Vorführungen sowohl von Amateuren, als auch von professionellen Künstler/-innen aus den Bereichen Musik, Theater, Bildende Kunst und Literatur sowie
  • Vorträge, Diskussionen, Kurse und Workshops.

Das Angebot sollte möglichst viele, unterschiedliche Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten ansprechen. Zentrum sollte ein täglich geöffnetes Kulturcafé sein. Einerseits als Treffpunkt, andererseits als Ort für Aufführungen sowohl von Amateuren als auch von professionellen Künstlerinnen und Künstlern. In diesem Sinn entstand ein Konzept, das überzeugte, zumal es auf eine große Lücke im Lörracher Kulturleben traf. 1985 wurde der Kultuverein Nichtsdestotrotz e. V. (zum kulturellen Wirken in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit) gegründet. Im Februar 1986 beschloss der Gemeinderat, dem Verein das nördliche Nebengebäude des Flachsländer Hofes zur Verfügung zu stellen. Im September 1986 öffnete das Kulturcafé Nellie Nashorn seine Pforten, Café und Kleinkunstbühne in einem Raum für ungefähr 80 Menschen. Arbeitsstellen entstanden zunächst mit Hilfe des Arbeitsamtes und Spenden, später durch den gut funktionierenden Cafébetrieb und höhere Zuschüsse der Stadt Lörrach. Fünf Jahre lang fanden unter einfachsten Verhältnissen und mit wenig finanziellen Mitteln ca. 200 Veranstaltungen, Projekte, Festivals (Flachsländer-Hof-Festival) statt, die äußerst regen Zuspruch fanden. Auch die Eigenproduktionen, der Jazzchor Flat & Co und die Theatergruppen wurden bekannter und gefragter. Die Arbeit fing allmählich an, aus allen Nähten zu platzen. Für die effektive Weiterarbeit bedurfte es dringend einer Umgestaltung des Areals und seiner Räumlichkeiten. Man (und Frau) benötigte klarere Zukunftsperspektiven. Die Stadt Lörrach war gefragt und antwortete.

Vom Kulturcafe zum Soziokulturellen Zentrum

Bei der sehr schnellen Entscheidung für die Entstehung eines Kulturzentrums auf dem Flachsländer-Hof-Gelände kamen uns sicher mehrere Aspekte zugute:

  1. Unsere Arbeit war erfolgreich und in Lörrach und Umgebung in der Form einzigartig.
  2. Die sehr schönen, alten und denkmalgeschützten Räumlichkeiten des Flachsländer-Hofes waren äußerst sanierungsbedürftig. Ein Nutzungskonzept dieser städtischen Gebäude war überfällig. Die Fördermittel des Landes im Bereich Soziokultur waren für die Stadt Lörrach eine entscheidende Finanzierungshilfe. Ende 1992 beschloss der Gemeinderat einstimmig den Umbau des Flachsländer-Hofes zu einem soziokulturellen Zentrum. Es entstanden Räumlichkeiten für Café, Veranstaltungen, Versammlungen und Proben, Büro, Filmvorführungen (FreeCinema e.V.).

Endlich hatten wir adäquate Räumlichkeiten, sodass sich vieles weiterentwickeln und Neues entstehen konnte.

Und warum heißt das Zentrum eigentlich „Nellie Nashorn“?

Ganz einfach! Nashörner sind stark, stur und sehr sensibel. Sie können sich wehren, haben ein dickes Fell und scharfe Augen. All das war in den 80er Jahren notwendig, um Freiraum für Kultur und Partizipation zu schaffen. Das Nashorn steht für die Aktiven von Beginn an als Symbol für die herausfordernde und ausdauernde Arbeit an guten Rahmenbedingungen für Soziokultur und gelebte Alternativen zum Mainstream. Allerdings war das Nashorn in diesem Falle ein tanzendes, singendes, Kneipen-Nashorn, eben Gastgeber, Rampensau und Kämpfer für kulturelle Freiräume zugleich. Und weil es von Beginn an ersteinmal ein Projekt von Frauen (und teilweise auch für Frauen war), wurde das Nashorn im Logo durch die „Nellie“ weiblich. Inzwischen hat sich das geändert, und heute arbeiten ebenso viele Männer wie Frauen im ehrenamtlichen und auch im hauptamtlichen Team, und auch das Publikum ist stark durchmischt. Das Nashorn ist immer noch das Logo der soziokulturellen Arbeit auf dem Flachsländer Hof, auch wenn sich inzwischen einiges getan hat in Sachen Kulturförderung auf kommunaler ebenso wie auf Landesebene.